Wanderbericht von Ursula Erbacher

Erfahrungsbericht auf der Bonifatius Route
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Seit Paulo Coelhos Roman „Auf dem Jakobsweg“, erlebt Europa eine Renaissance des Pilgerns. Historische Pilger- und Wanderwege werden neu beschildert und kartiert. So auch in Hessen. Die Bonifatius-Route von Mainz bis Fulda, führt mitten durch den Main-Kinzig-Kreis.

Geschultert mit Rucksack und Schlafsack ging es bei Sonnenaufgang auf den Pilgerwanderweg, die „Bonifatius-Route“. Meine heutige Etappe führt von Büdesheim, über Heldenbergen, Windecken und Eichen zum Kloster Engeltal.

Zunächst wähle ich, abseits der Route, den abwechslungsreichen Weg am Erlenbach entlang, in Richtung Buchwald. Die ersten Kilometer lassen sich rasch laufen. Üppig duftet es nach Rapsblüten, Weißdorn und zahlreiche Frühblüher in Gärten und auf der Flur, sogen für sinnliche Erfahrungen. Feldhasen, Rehe, Eichhörnchen, unzählige Insekten und Greifvögel kreuzen meinen Weg. Es duftete nach Wiesenkräutern und die Vögel erheiterten mit übermütigem Gezwitscher. Es ist beglückend in der Frühe die Natur erleben zu können. Der feuchte Tau auf den Wiesen wirkt erfrischend nach all den heißen Vorsommertagen.ndm_bonifatius3_ure

Gegen Mittag ist es sehr warm geworden, doch die Natur belohnt mich fortlaufend mit ihren satten Grüntönen, blassblauen Kornblumen und zartroten Mohnblüten an den Feldrändern. Zwischen all der Natur finden sich immer wieder Möglichkeiten zur leiblichen Einkehr.

Ich bin mehr auf der Suche nach den stilleren Plätzen und Wegen. Auch solche Oasen sind zu finden. Am Ufer des Nidder in Windecken, gleich unterhalb des Schlosses ist ein kleiner kurzer Seitenpfad mit erholsamem weichem Bodenbelag, allerdings ist er abseits der Route. Und am Ohlenberg haben die Windecker Landfrauen ein Kleinod geschaffen, das zum Rasten, mit wunderbarem Fernblick zum Glauberg und dem Vogelsberg, einlädt. Nach der Mittagspause ist der Weg nach Eichen zwar staubig und steinig, aber leicht zu gehen. In der Flora sind Raritäten zu entdecken und die scheuen Rehe beäugen neugierig die einsame Pilgerin. Weit und Breit, ist an diesem Montag, auf der gesamten Tagesetappe kein weiterer Pilger zu entdecken.ndm_bonifatius5_ure

Nach 17 Kilometern haben die Füße erste Druckstellen, das Gesicht brennt und der Körper ist verschwitzt. Im Kloster Engeltal angekommen, nehme ich dankbar die erfrischende Wasserflasche aus meinem Rucksack. Nun brauche ich nur noch eine Dusche und Massageöl für die Beine.

Vor zwei Jahren, auf dem gleichen Weg war die Beschilderung äußerst unzureichend. Ich schrieb seinerzeit in der „Frankfurter Neuen Presse“: „Resümierend frage ich mich: Sind die Entwickler und Planer dieser Bonifatius-Route jemals diesen Weg selbst gegangen und den Schildern gefolgt?“ Die Kritik hatte sich gelohnt. Inzwischen sind die Wege wesentlich besser gekennzeichnet und die Hinweisschilder meist auffindbar. Besonders im Bereich Nidderau ist die Beschilderung hervorragend.

Deutlich wird, dass die Wegführung weniger historisch gewählt wurde, sondern wohl mehr an kulinarischen Zielen, wie Gasthäusern und Innenstadtbereichen orientiert ist. Dadurch führen die die Pfade häufig über geteerte Straßen, was ein Martyrium für die Füße moderne Pilger werden kann.

Natürlich bietet der Pilgerweg auch historische und spirituelle Besonderheiten. Insgesamt ist die Route wunderschön, abwechslungsreich und informativ, teilweise mit herrlicher Aussicht; eine wahrhafte Erholung für Geist und Seele. Irgendwann hört auch das Geplapper im Gehirn auf – Stille kehrt ein und der Pilgerweg wird zum spirituellen Erlebnis.

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