Wanderbericht von einer Pilgerin aus Dresden

Im Sommer 2009 bin ich die Bonifatius-Route gelaufen
Diesen Bericht schickte uns eine Pilgerin aus Dresden. Vielen Dank dafür!

Nun nehme ich mir endlich mal die Zeit meine Eindrücke aufzuschreiben. Vielleicht ist es ja Pilgerbericht Dresden1auch gut so, vieles muss sich erst setzen, muss mit etwas Abstand betrachtet werden. Gleich vornweg, es war eine wunderbare Sache. Ich bin nicht gläubig, aber das muss man auch nicht sein, um diesen schönen Weg zu genießen. Ich bin, oder nun kann ich sagen, war absolute Pilgerfanfängerin. Meine Wanderungen spielen sich vorwiegend in der Dresdner Umgebung ab, die können allerdings auch ganz schön anstrengend sein. Irgendwie hatte ich mir für die Sommerferien, ich bin Lehrerin, vorgenommen einen sogenannten Aktivurlaub zu machen. Durch Zufall bekam ich eine Fernsehzeitschrift in die Hand und las einen Artikel über die schönsten deutschen Pilgerwege.

Ich entschied mich für die Bonifatius-Route. Die notwendigen Informationen lies ich mir zuschicken. Karte, Infobroschüre und ganz wichtig: Übernachtungsverzeichnis. Reserviert hatte ich Übernachtungen in Mainz, Weilbach und Fulda und die Fahrkaten für die Züge. Somit hatte ich ein zeitliches Limit einzuhalten, ohne mir Hektik oder Stress zu machen. Ich bin die Strecke in 11 Tagen ohne Unterbrechung gelaufen. Für relativ ungeübte Pilger nicht schlecht. Aber jeder sollte seine eigene Planung machen. Man sollte auf alle Fälle hier und da Luft lassen, da die Natur und Landschaft viele schöne Fleckchen zum Verweilen bieten.

Als ich zu Hause meinen Rucksack auf meinen Rücken packte dachte ich na toll, mit dem Gewicht kommst du ja nicht mal zum Bahnhof. Aber nichts da drin war überflüssig und auf ein minimales Minimum reduziert.
Ich kam am späten Nachmittag in Mainz an und ging gleich zum Hotel welches ich Gott sei Dank in Bahnhofsnähe reserviert hatte. Ich nahm mir Zeit für einen Stadtbummel und wollte eigentlich am Dom einen Pilgerpass holen. Diese waren laut der Dame dort gerade vergriffen, was mich nichts gutes ahnen ließ, denn irgendwie dachte ich, dass ich dann wohl nicht alleine unterwegs sein werde, sondern den Weg mir vielen anderen teilen würde. Hätte mir nicht gefallen. Es gibt aber nicht durchgängig öffentlich zugängige Stempelstellen, sodass ich dann auch kein Problem damit hatte keinen Pass zu haben. Und, wieder Gott sei Dank, war es nicht so. Auf dem ganzen Weg nach Fulda habe ich zwei Leute getroffen, komme später darauf zurück, und 3 Leute kamen mir entgegen.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf den Weg, zunächst zum Fluss und über die Pilgerbericht Desden2Brücke. Von da hat man einen schönen Blick auf das Mainzer Stadtzentrum. Mit Dresden allerdings kann er nicht mithalten?. Der Weg führte mich über Hochheim mit einer wunderschönen Kirche durch die Weinberge über Flörsheim bis zum ersten Etappenziel Weilbach. Die einzelnen Örtlichkeiten werde ich nicht beschreiben, denn das kann man ausführlicher in den Begleitbroschüren nachlesen. Der Tag war heiß und ich war angekommen und ich war kaputt. Ich wollte keinen Schritt weitergehen. Ich krachte meinen Rucksack auf den Boden und schwatzte erst einmal mit dem netten Wirt des Hotels Waldesruh welches direkt am Weg liegt und nicht zu übersehen ist. Ein kühles Bier war der pure Genuss. Ansonsten duschen, Beine hoch bzw. lang, Bluse waschen und abruhen. Schon am ersten Tag lernte ich, wie wichtig eine gut gefüllte Wasserflasche ist. Meine war es irgendwann nicht mehr, glücklicherweise kam ich an einem Kindergarten vorbei, wo ich sie auffüllen konnte. Ansonsten Wasser unbedingt einteilen!!

Der zweite Tag war etwas kürzer, in Kilometern gerechnet. Auf den ersten Etappen ist es relativ unkompliziert eine Bleibe zu finden. Man sollte aber unbedingt vorher prüfen, ob es Übernachtungsmöglichkeiten am bzw. in der Nähe des Weges gibt. Es gibt Abschnitte, auf denen es keine gibt. Deshalb unbedingt das Übernachtungsverzeichnis bei sich haben. Noch ein Tipp: nicht alle Pensionen akzeptieren ec karten, also immer den Bargeldvorrat prüfen.
Ich bin überall netten, hilfsbereiten und neugierigen Menschen begegnet. Offensichtlich war es meine äußere Erscheinung, die definitiv darauf schließen ließ, dass ich nicht auf dem Weg zu einer Modenschau war. Leute fragten mich, ob ich denn auf dem Bonifatiusweg unterwegs sei und so kamen wir ins Gespräch.
Der einzige Ort, an dem ich zwei Nächte blieb, war Altenstadt. Von hier kann man Dank des S-Bahn Netzes zwei Etappen laufen. Ich übernachtete im Altenstädter Mönchshof, ein sehr schönes kleines Hotel, welches ich unbedingt empfehlen kann. Wohlgefühlt habe ich mich überall, ich hatte auch den Eindruck, dass man als Pilger sehr willkommen ist.

Weiter oben hatte ich erwähnt, dass ich zwei Pilger traf, die ebenfalls nach Fulda liefen. Wir trafen uns im Gasthof Hessenstube in Eckartsborn. Vielen Dank der netten Wirtin, die uns trotz Ruhetages ein vorzügliches Abendessen machte und ein Bett für die Nacht hatte. Ich habe es genossen, mich früh an den Tisch zu setzen ohne auch nur einen Finger krumm zu machen, überall gab es leckeres Frühstück. Und ehrlich gesagt, habe ich es auch gebraucht, denn man ist ja den ganzen Tag auf den Beinen. Meine Wanderstöcke leisteten hervorragende Dienste, unbedingt mitnehmen. Mein Rucksack war zwar noch da, aber irgendwie spürte ich ihn kaum noch. Man liest über das Pilgern, dass man zu Beginn der Reise seine Gedanken ordnet und Lösungen für Dinge sucht, die einen so beschäftigen. Irgendwann auf dem Weg scheint man keine Probleme mehr zu haben. Man läuft und läuft und läuft, findet einen Rhythmus. Das einzige Problem, welches ich hatte, war gesund anzukommen, abends meine Bluse zu waschen, dass sie früh wieder trocken ist und das war’s. Es ist wirklich genauso. Der Weg ist Klasse ausgeschildert, auch ganz wichtig. Da wo vielleicht Schilder fehlten, hatte sie vielleicht jemand für seinen Garten gebraucht. Zweimal brachten mich Anwohner auf den richtigen Pfad zurück. Zweimal war es meine eigene Unachtsamkeit, dass ich ein paar Kilometer zu viel unterwegs war. Aber sehr bald entwickelt man eine gewisse Routine, sich permanent nach diesen Schildern zu orientieren. Ich nannte es den Bonifatiusblick.
Als ich die Türme von Fulda in der Ferne sah, war ich unheimlich stolz es geschafft zu haben.

Nach ein paar Tagen relativer Ruhe fand ich es ganz abwechslungsreich am nächsten Tag, es war ein Samstag, die Fuldaer Geschäfte unsicher zu machen.
Das Wetter hatte wunderbar mitgespielt. Um Frankfurt drohten zwar ein paar Gewitterwolken, die es dann doch nicht wagten loszuregnen (Bonifatius sei Dank?) Ich saß in Fulda auf dem Bahnhof und wartete auf den Zug nach Dresden und es fing an zu regnen.

Vielen Dank allen, die daran beteiligt sind, diesen Weg begehbar zu halten und ihn zu einem sehr angenehmen Erlebnis zu machen. Ich könnte gleich wieder losmachen. Diesen Sommer möchte ich von Loccum nach Volkenroda laufen.